Aktuelles im Verein

Verfasser: Werner Martin, 90559 Burgthann

Edgar Allan Poe: Gerd Berghofer bei der Fördergemeinschaft Burg e.V.
am 12. November 2006, 16 Uhr im Burgkeller

Burgthann, den 12.11.2006

BURGTHANN:Der Schauplatz hätte geeigneter nicht sein können. Schaurigkalt die Lufthülle, dämonisch das Licht, ausgestreut von zwei Kerzenleuchtern aus jener Ära, da im fernen Boston (USA/Massachusetts), dem damaligen kulturell-künstlerischer Mittelpunkt Neuenglands und geistiges Zentrum seiner Region, der Dichter Edgar Allen Poe (1809-1849) geboren wurde. Mit drei "Dunklen Geschichten", dazu noch das Gedicht "Der Raabe", welche die Ausgangspunkte waren für eine in höchstem Maße vollendete Lesung. Der fränkische Schriftsteller, Kulturjournalisten, Gedichtmacher, Lyriker und Erzähler Gerd Berghofer, der 1967 in Nürnberg geboren wurde, lebt seit vielen Jahren in Georgensgmünd. Er war zu Gast beim literarischen Spätnachmittag der Fördergemeinschaft in deren Burggewölbe. Ulla Weishart, 2. Vorsitzende dieser Gemeinschaft, zeigte sich froh, dass - obgleich derzeit so viele Kulturtermine anstünden, eine stattliche Zahl von Zuhörern der Einladung gefolgt sei. Poe, man kennt ihn als den Autor gruseliger Kurzgeschichten und bizarrer Grotesken, voll von jenem bitteren Sarkasmus, den Poe zeitlebens mit Humor verwechselte. Das echte Lachen gehörte nicht in seine Welt. Poe etablierte die Gattung "Kriminalliteratur", "Science Fiction" und "Horrorstory", Fundament des Symbolismus und damit auch der modernen Dichtung. Seine ersten Gedichte, im Alter von 14 Jahren geschrieben, ließen eine Originalität und gewisse Musikalität feststellen. Früh erkannte er, dass es wichtiger sei Stimmungen zu erzeugen, als sie zu beschreiben. Poes spätere Lyrik wurde unübersetzbar, der sprachliche Zauber des Originals kaum mehr zu erahnen. Das hochbegabte Genie war ein Meister des kühlen Denkens, Theoretisierens, Analysierens, kurz des logischen Kalküls. Mitsamt der Kraft seiner Phantasie machte es ihn so unverwechselbar und einzigartig. Sehr früh erkannte er die dichterischen Möglichkeiten von Prosa und Kurzgeschichte und gab ihm die klassische Form. Berghofer zeichnete anhand Poes Lebenslauf auf, wie dessen Kindheitstage bestimmt waren vom unsteten Leben der Eltern als Schauspieler. Nach dem Verschwinden des Vaters David und dem frühen Tod seiner Mutter Elizabeth, sei Edgar mit drei Jahren buchstäblich Vollwaise gewesen. Aufnahme habe der elternlos Junge beim Kaufmann John Allan in Richmond, Virginia, gefunden, der Edgar wie seinen eigenen Sohn erzogen habe. Da Poe ihn zeitlebens "Vater" nannte, habe er sich dessen Namen als Beinamen gegeben, obgleich er Allan später hasste. Während eines fünfjährigen Aufenthalts mit Allan in England habe er vor allem ein reines, akzentfreies Englisch gelernt. Sportlicher Glanz habe dem sonst so Verwöhnten, aber Mittellosen, Ansehen bei seinen Schulkameraden verschafft. Immatrikuliert in Charlottesville habe er Exzesse, Raufereien, sogar Schießereien erlebt und Bekanntschaft mit dem Alkohol gemacht, berichtete Berghofer. Wegen seiner enormen Spielschulden habe Allan ihn kurzerhand auf die Straße gesetzt. Dieser Bruch sei der Einschnitt im Leben des Dichters gewesen. Als gewöhnlicher Soldat sei Poe in Boston in die Armee eingetreten. Das Jahr 1828 dort sei eins der glücklichsten und für seine innere Entwicklung wichtigstes seines Lebens gewesen, so der Rezitator. Vor Poes Aufnahme in die Militärakademie West Point (New York) verweilte dieser in Baltimore in bitterster Not bei seiner Tante Maria Clemm samt deren Tochter Virginia. Neue Gedichte seien entstanden, die sogar in einem Band publiziert worden seien. Nach nur sieben Monaten, so fuhr Berghofer weiter, sei Poe unehrenhaft entlassen worden, erlebte seinen ersten nervösen Zusammenbruch und sei in die Monotonie der Armut und des Elends nach Baltimore zurückgekehrt. 1835 habe Poe die dreizehnjährige Virginia in Richmond geheiratet. Bei ihr habe er eine sonst nie erlebte Geborgenheit gefunden. Auch als Redakteur habe er hin und wieder Anstellungen bekommen, zunächst in Richmond selbst, dann auch für kurze Zeit in New York, später in Philadelphia (Pennsylvania). Hier habe Poe den Gipfelpunkt seiner Existenz erreicht und schrieb eine großartige Geschichte nach der anderen. Dennoch sei er zum Spielball herzloser Geschäftemacher geworden, wie zuletzt in New York. Zwölf Jahre nach ihrer Heirat sei Virginia an der gleichen Krankheit wie Poes Mutter gestorben: Tuberkulose. Jetzt habe er sich ganz der Trunksucht hingegeben. Seine Tage seien von trostloser und quälender Monotonie gewesen, ein irrer Wirbel von Exzessen, Zusammenbrüchen und Enttäuschungen. 1849 sei Poe unter niemals geklärten Umständen gestorben. Seine letzten Worte sollen gewesen sein: "Gott sei meiner armen Seele gnädig". Poes Texte stellen hohe Ansprüche an den Rezitator. Er muss gleichermaßen dunkel raunen, schrill schreien oder jovial lachen können. Berghofers Stimmvolumen und seine Vortragskunst reichen dafür aus. Er verzauberte seine Zuhörer und bereitete ihnen eine Gänsehaut. In jeder der vorgetragenen Kurzgeschichten kommt es zu Morden. Wenn Berghofer liest, glaubt man, Stimmen aus einer Gruft zu hören, oder den Wahn im Ton eines Täters, der von Rachegelüsten zu seiner Wahnsinnstat getrieben wird. Berghofers große Vortragskunst erklärt sich kaum allein aus seiner Schauspiel-Ausbildung, er hat Talent im Übermaß. "Der Raabe" handelt von einem Mann, der um seine Verstorbene trauert. Auf mehrmaliges Klopfen öffnet er das Fenster und herein flattert ein Raabe, der sich auf eine weiße Pallasbüste über der Türe setzt. Auf alle Fragen an den Raaben, so auch, ob es dereinst ein Wiedersehen mit der verlorenen Geliebten geben wird, stets erklingt als schneidender Refrain des Raben, "Nimmermehr". "Hopp-Frog" ist ein Hofnarr und zugleich auch ein Zwerg und Krüppel. Der König hat seinen Spaß an ihm, nicht nur wegen seiner witzigen Einfälle. Welche Kostüme der König und seine Minister zum Maskenball tragen, sollte "Hopp-Frog" - unter Alkohol gesetzt - einfallen. Da seine einzige Freundin und Vertraute, die Tänzerin "Tripetta" intervenierte, wird sie mit Wein übergossen. Dafür nimmt "Hopp-Frog" fürchterliche Rache. Er schlägt vor: in Kostümen aus Teer und Flachs als Orang-Utan-Herde aneinandergekettet. Da verwickeln diese sich an einer Kronleuchterkette, werden von unsichtbarer Hand emporgezogen, baumeln, um - vom Zwerg in Brand gesteckt - dann bei lebendigem Leib zu verbrennen. "Das schwatzende Herz", hier tötet der Erzähler einen alten Mann, durch dessen "Geier-Auge" - Symbol des wachenden Gewissens - er sich gestört fühlt. Die zerstückelte Leiche versteckt er unter den Dielen des Zimmers. Mit Unschuldsmine bittet er die ermittelnden Polizisten einzutreten und das Haus zu durchsuchen. Er lädt sie sogar zu einem unterhaltsamen Gespräch ein. Doch das Ende überrascht: der geisteskranke Erzähler hört plötzlich das Herz des Ermordeten aus dem Boden pochen. Nicht minder grausam auch "Das Fass Amontillado", eine Erzählung, in welcher der rachsüchtige Montresor seinen verhassten Freund Fortunato während des Faschings in ein Gewölbe lockt. Als Köder dient Montrésor ein Fass Amontillado, das dort unten angeblich auf die beiden Kenner wartet und begutachtet werden muss. Wenn Fortunato zögert, erwählt Montrésor einen anderen Freund, den er ja auch um sein Urteil bitten könne. Das genügt, um Fortunato in die mörderische Falle zu locken. Er wird bei lebendigem Leib einmauert. Zwar alles Geschichten der Rache, mitunter wahrhaftige Sparziergänge in die Hölle der Angst und des Wahnsinns. Jedoch dargeboten in einer makellosen Sprache, in klingenden Sätzen, in einer Prosa voller Musikalität. Da wünscht man sich gerne eine Mehrmaligkeit solcher Stunden des Beisammenseins.

Gerd Berghofer
Edgar Allan Poe





Verfasser: Werner Martin, 90559 Burgthann

Zerstörung des Kanalmarterls

Burgthann, den 12.07.2006

BURGTHANN: Auf einen Fall von schwachköpfiger Zerstörungswut wurde kürzlich die Polizei hingewiesen: Am Ludwig-Donau-Main-Kanal, im so ge-nannten "Distelloch", stand seit Jahrzehnten ein Marterl, das an den Mord am Versicherungsmakler Oswald Forster aus Neumarkt am 12. Oktober 1935 erinnern soll. Nicht genug, dass die Inschrift dieses Mahnmals im Sommer letzten Jahres durch einen ebenso idiotischen Fall von Vandalismus heraus-gebrochen wurde. Mit viel Ehrgeiz und Geschick haben anschließend Mitglie-der der Fördergemeinschaft und ein Mitarbeiter des gemeindlichen Bauhofes das Denkmal in seinen ursprünglichen Zustand versetzt und wieder an Ort und Stelle aufgestellt (wir berichteten). Nun hat unlängst wohl ein weiterer oder gar der selbe Bösewicht gleich das komplette Marterl umgerissen und in den Ka-nal geworfen, von wo aus es durch die Beamten an Land gezogen und dem Vorstand der Fördergemeinschaft Harald Kern übergeben. Dieser überlegt nun, ob ein erneutes Aufstellen überhaupt noch Sinn macht. Ein Vorschlag wäre, um es vor einer erneuten Verwüstung zu bewahren, dem Kanalmuseum in der hiesigen Burg zur sicheren Aufbewahrung zu übergeben.

Harald Kern


Sanierungsarbeiten am Burgturm im Juni 2006

Bilder: Werner Martin, 90559 Burgthann

Durch den winterlichen Frost lösten sich im Februar 2006 Steine am Burgturm. Daraufhin musste der Burghof in weiten Teilen gesperrt werden. Die lockeren Mauersteinteile am gesamten Turm wurden durch die Firma "Klettermax" abgeschlagen, Fugen vom Wildwuchs befreit. Im Mai wurde das Mauerwerk durch Verfugen wieder gesichert.





Verfasser: Ulla Weishart, 90559 Burgthann

Veranstaltung: Lebendiges Museum 2006

Burgthann, den 10.03.2006

LEBENDIGES MUSEUM IN DER BURG:
Nach der langen Winterpause zieht in unsere alte Burgthanner Burg am 30. April 2006 wieder vielfältiges Leben ein. Ab 11.00 Uhr am Vormittag bis 17.30 Uhr am Nachmittag können Sie in allen Museumsräumen, in den Handwerkerstuben, in den Burgkellern, im Burghof und im Rittersaal alte Arbeitstechniken, kunsthandwerkliches Können und Handarbeiten beobachten und Sie werden dabei erleben, wie Neues entsteht.
Sie erfahren viel über den Schuster, den Schneider und den Schreiner. Papier entsteht, Körbe werden geflochten. Der Kammmacher, die Töpferinnen, der Drechsler, die Goldschmiedin, der Tiffanykünstler und der Landschaftsmaler lassen sich bei der Arbeit zuschauen.
In der Wollewerkstatt und am Spinnrad wird Wolle hergestellt. Beim Stricken, Häkeln, Filzen und Weben sieht man, wie Wolle und Garne verwendet werden. Feinste Handarbeiten zeigen die Stickerinnen, die Klöpplerinnen und einen Patchworknäherin.
Kinder können puzzeln, kegeln und alte Haushaltsgeräte aus Omas Küche benutzen. Alte Sagen und Geschichten werden im kleinen Burgkeller erzählt. Im großen Burgkeller versorgen wir Sie mit Getränken, Kaffee und selbst gebackenem Kuchen. Verbringen Sie einige geruhsame Stunden in dem historischem Gemäuer.
Die Fördergemeinschaft Burg Burgthann e.V. freut sich auf Ihren Besuch !

Bilder von 2005 Bilder von 2005


Verfasser: Werner Martin, 90559 Burgthann

Veranstaltung: Nachbetrachtung zur Ausstellung Kuch

Burgthann, den 31. 10. 2005
BURGTHANN: Auf weltweiten Ausstellungen präsentierten sie ihre Kunst, nahmen an Wettbewerben teil, erhielten dafür nationale und internationale Auszeichnungen und haben den Namen Burgthann in die Welt hinaus getragen. Noch nie, außer in ihrer schlichten Werkstatt und dort ohne jegliches Gepränge, war es Burgthannern Mitbürgern vergönnt, ihre Exponate so komprimiert zu Gesicht zu bekommen, wie bei der Sonderausstellung im großen Burgkeller: Die Keramiken aus der Werkstatt von Elly und Wilhelm Kuch. Diese vom 24. September bis zum 23. Oktober von der Fördergemeinschaft Burg Burgthann e.V. ausgerichtete Schau war nicht nur ein herausragendes Ereignis für die Großgemeinde, sie war vielmehr auch ein beträchtlicher Publikumserfolg. Die gediegenen Arbeiten, gleichwohl von zeitloser Eleganz, konnten sich dem Betrachter in einem Raum präsentieren, der in einer beziehungsreichen Symbiose zu den Schaustücken stand. Auf schneeweißen Podesten, Würfeln, Tableaus - mal als Insel, mal in Gruppen angeordnet - standen sie, diese filigranen Kunstwerke. Und doch harmonierten sie mit dem wuchtigen Gemäuer und dieses gab ihnen Hintergrund und Perspektive. Mehr als 1.200 Besucher strömten an fünf Wochenenden in die Burganlage mit ihrer unvergleichlichen Atmosphäre. Sie waren von den Keramiken mehr als angetan, ja vielmehr begeistert. Als besonders erfreulich nahmen sie die häufige Präsenz der beiden Kunstschaffenden auf. Die Kuchs führten ihre Gäste sogar persönlich durch die Ausstellung. Wilhelm Kuchs Geburtsstadt Fürth - vor 80 Jahren erblickte er dort das Licht der Welt - folgt nun dem Beispiel von Burgthann und Neumarkt und stellt ebenfalls Kuch'sche Gefäßkeramiken aus. In der Kunstgalerie am Königsplatz werden diese nochmals in der Zeit vom 12. November bis 18. Dezember zu sehen sein. wem/63

Vase der Werkstatt Kuch